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Bürodesinfektion in der Grippewelle: So schützen Sie Ihr Team

Robert Buckl
Inhaber & Geschäftsführer

Kurz gesagt

Sinnvoll ist keine flächendeckende Desinfektion, sondern eine gezielte Wischdesinfektion der Hochkontaktflächen: Türklinken, Lichtschalter, Aufzugtasten, Geländer, Küchen- und Sanitärarmaturen. Gearbeitet wird mit VAH-gelisteten Mitteln, auf vorher gereinigter Fläche und über die ausgewiesene Einwirkzeit. In der Grippesaison kommt meist ein zusätzlicher kurzer Durchgang tagsüber dazu.

Desinfektion im Büro während der Grippesaison

Die Grippesaison fällt in Deutschland überwiegend in die Wintermonate. In Bürogebäuden kommen dann mehrere Dinge zusammen: enge Räume, gemeinsam genutzte Oberflächen und trockene Heizungsluft. Eine gezielte Flächendesinfektion setzt dort an, wo viele Hände am Tag dieselben Flächen berühren. Sie ersetzt weder Händehygiene noch Lüften — sie ergänzt beides.

Atemwegsviren halten sich auf glatten Oberflächen wie Türklinken, Aufzugtasten und Tischplatten länger als auf saugfähigen Materialien wie Textilien und Polstern; wie lange genau, hängt von Material, Temperatur und Luftfeuchte ab. Für die Praxis genügt die Regel dahinter: Was viele Hände an einem Tag berühren, ist nach wenigen Stunden Betrieb wieder belegt — und wer krank zur Arbeit kommt, hinterlässt seine Spuren, bevor er selbst Symptome bemerkt.

Wichtig für die richtige Erwartung: Der Hauptübertragungsweg bei Atemwegsinfekten ist die Luft, nicht die Fläche. Die Flächendesinfektion ist deshalb ein Baustein neben regelmäßigem Lüften und Händewaschen und kein Ersatz dafür. Wer sie als Einzelmaßnahme angeboten bekommt, sollte nachfragen.

Die kritischen Kontaktpunkte

  • Türklinken und Lichtschalter: Die am häufigsten berührten Oberflächen im gesamten Gebäude.
  • Tastaturen und Mäuse: Werden oft von Reinigungskräften nicht angerührt aus Sorge vor Beschädigung.
  • Kaffeeküche: Kaffeemaschinen-Knöpfe, Kühlschrankgriffe und Mikrowellentüren.
  • Aufzugknöpfe und Geländer: Berührt von praktisch jedem Gebäudenutzer.
  • Sanitäranlagen: Trotz regelmäßiger Reinigung oft unzureichend desinfiziert.
  • Besprechungsräume: Tischkanten, Medientechnik, Fernbedienungen und Stuhllehnen — die Flächen, an denen sich täglich wechselnde Gruppen ablösen.
  • Empfang und Publikumsbereiche: Tresenkante, Unterschriftenstifte, Terminal-Displays.

Reinigen, desinfizieren, wischdesinfizieren — wo der Unterschied liegt

Die Reinigung entfernt Schmutz mechanisch und trägt dabei auch Erreger mit ab. Die Desinfektion reduziert Keime chemisch — aber nur auf einer bereits sauberen Fläche, weil organisches Material das Mittel bindet. Wer auf einen staubigen Schreibtisch Desinfektionsmittel gibt, hat zwei Arbeitsgänge bezahlt und keinen davon richtig bekommen.

Fachlich richtig ist die Wischdesinfektion, nicht die Sprühdesinfektion. Sprühnebel benetzt die Fläche ungleichmäßig, erreicht Ritzen und Unterseiten nicht und wird von den Anwesenden eingeatmet. Beim Wischen wird das Mittel gleichmäßig aufgetragen, und die Fläche bleibt über die Einwirkzeit sichtbar feucht — diese Zeit steht auf dem Gebinde und ist keine Ermessensfrage. Nachtrocknen vor Ablauf der Einwirkzeit macht den Arbeitsgang wertlos.

Bei den Mitteln sind VAH-gelistete Präparate der übliche Maßstab für die prophylaktische Flächendesinfektion. Für behüllte Viren wie Influenza- und Coronaviren genügt die Auslobung begrenzt viruzid. Wenn es um Magen-Darm-Erreger wie Noro- oder Rotaviren geht — die im Büro ebenfalls regelmäßig auftreten —, reicht das nicht: Dort braucht es ein als begrenzt viruzid PLUS oder viruzid ausgewiesenes Mittel. Diese Unterscheidung gehört ins Angebot, nicht in die Improvisation vor Ort.

Was welche Oberfläche verträgt

  • Tastaturen, Mäuse und Touchscreens: Nur mit vorbefeuchteten Tüchern arbeiten, nichts darf in das Gerät laufen. Displays mit oleophober Beschichtung vertragen hochprozentigen Alkohol auf Dauer nicht. Die saubere Lösung: Der Nutzer reinigt sein eigenes Gerät, der Dienstleister die Umgebung — damit ist auch die Haftungsfrage geklärt.
  • Messing- und Bronzebeschläge: In Münchner Altbaubüros sind sie häufig noch original. Chloridhaltige Mittel greifen sie an und hinterlassen dunkle Flecken; alkoholbasierte Präparate sind verträglicher.
  • Geölte oder gewachste Holzhandläufe: In denkmalgeschützten Treppenhäusern lösen alkoholhaltige Mittel die Öl- oder Wachsschicht und hinterlassen matte, fleckige Stellen. Hier gehören alkoholfreie Mittel hin und in größeren Abständen eine Nachbehandlung mit dem passenden Pflegeöl.
  • Beschichtete Tischplatten: Keine Scheuermittel und keine grob strukturierten Tücher — die Mattierung sieht man später im Streiflicht.
  • Polstermöbel und Stoffstühle: Keine Flächendesinfektion. Textilien werden abgesaugt und bei Bedarf sprühextrahiert; Desinfektionsmittel hinterlassen dort nur Ränder.
  • Edelstahl in der Teeküche: In Schliffrichtung wischen und nachtrocknen. Das kalkreiche Münchner Leitungswasser hinterlässt sonst einen grauen Schleier, den man fälschlich für Schmutz hält.

Wann ist eine professionelle Desinfektion sinnvoll?

Spätestens wenn die ersten Grippefälle im Team auftreten, sollte eine gezielte Flächendesinfektion zusätzlich zur regulären Unterhaltsreinigung stattfinden. Aber auch präventiv — etwa zu Beginn der Grippesaison im Herbst — lohnt sich eine intensivere Desinfektion der Kontaktflächen. Das bedeutet nicht, das gesamte Büro in Chemie zu tränken, sondern eine gezielte Wischdesinfektion der Hochkontaktflächen mit VAH-gelisteten Mitteln.

Den Turnus macht man an drei Dingen fest: wie viele Personen eine Fläche berühren, wie viel Publikumsverkehr das Haus hat und ob gerade Krankheitsfälle bekannt sind. Kontaktflächen sind nach wenigen Stunden Betrieb wieder belegt — deshalb bringt in der Saison ein zusätzlicher kurzer Durchgang über Klinken, Schalter, Aufzugtasten und Küchengriffe am Mittag mehr als ein doppelt so langer Einsatz in der Nacht. Räume, in denen jemand krank gearbeitet hat, werden vor der Nachbelegung gesondert behandelt.

Was den Aufwand bestimmt, ist übrigens nicht die Bürofläche, sondern die Zahl der Kontaktpunkte. Zwei gleich große Etagen können sich deutlich unterscheiden, wenn die eine aus Einzelbüros mit Türen besteht und die andere eine offene Fläche ohne Trennungen ist. Deshalb lässt sich der Aufwand seriös erst nach einer Begehung beziffern.

Typische Fehler

  • Konzentration nach Gefühl: Mehr Mittel wirkt nicht besser, sondern hinterlässt klebrige Klinken, Schlieren und im schlechtesten Fall Hautreizungen bei Mitarbeitenden.
  • Ein Tuch für alle Räume: Verteilen statt entfernen. Bezüge und Tücher werden bereichsweise gewechselt, Sanitär kommt immer zuletzt.
  • Desinfektionsmittel als Dauerlösung auf allen Flächen: Für Böden, Fenster und Regale gibt es dafür keinen fachlichen Grund; Reinigung genügt.
  • Mittelwechsel ohne Rücksicht auf die Oberfläche: Ein neues Produkt aus dem Einkauf kann in wenigen Wochen Beschläge, Displays und Handläufe ruinieren.
  • Keine Dokumentation: Ohne Vermerk, welche Flächen wann mit welchem Mittel behandelt wurden, lässt sich später weder die Ausführung noch ein Schaden nachvollziehen.

Was Sie vorbereiten und worauf Sie im Angebot achten

Gehen Sie einmal mit offenen Augen durch Ihr Haus und schreiben Sie die Flächen auf, die jeder anfasst — vom Eingangstaster bis zum Griff der Spülmaschine. Diese Liste ist die Grundlage für jedes ernsthafte Angebot. Sinnvoll ist außerdem eine aufgeräumte Arbeitsfläche am Desinfektionstag: Was auf dem Schreibtisch liegt, wird nicht untergewischt. Klären Sie Zugang, Schlüssel und Alarm im Voraus und benennen Sie eine Ansprechperson für Rückfragen.

Im Angebot sollte stehen, welche Flächen behandelt werden, mit welchem Mittel und welcher Auslobung, welche Einwirkzeit vorgesehen ist, in welcher Frequenz gearbeitet wird und dass die Preise netto gelten. Ergänzen Sie eine Regelung zum Verbrauchsmaterial — leere Seifen- und Papierspender in den Sanitärräumen machen jede Desinfektion an anderer Stelle zunichte.

Häufige Fragen

Was kostet eine Bürodesinfektion?
Der Preis richtet sich nach der Zahl der Kontaktpunkte, nicht nach der Quadratmeterzahl, und nach der Frequenz: Ein einmaliger Durchgang zu Saisonbeginn kostet anderes als ein täglicher Zusatzgang über die Grippemonate. Weil sich die Kontaktpunkte nur vor Ort zählen lassen, entsteht ein belastbarer Festpreis erst nach einer Begehung. Preise verstehen sich netto.
Wie lange darf ein Raum nach der Desinfektion nicht genutzt werden?
Bei einer Wischdesinfektion von Kontaktflächen gibt es keine Sperrfrist. Die Fläche muss über die angegebene Einwirkzeit feucht bleiben und danach abtrocknen — das sind meist Minuten. Sinnvoll ist, in dieser Zeit zu lüften und die behandelten Flächen nicht sofort wieder anzufassen. Anders liegt der Fall bei Verfahren mit Raumvernebelung, die für Büros unüblich sind.
Ersetzt ein Luftreiniger die Flächendesinfektion?
Nein, beide setzen an unterschiedlichen Übertragungswegen an. Ein Luftreiniger wirkt auf Schwebeteilchen in der Raumluft, die Flächendesinfektion auf das, was auf Klinken und Tasten liegt. Keines von beiden ersetzt regelmäßiges Lüften. Welche Maßnahme im Einzelfall Vorrang hat, hängt von Raumgröße, Belegung und Lüftungsmöglichkeiten ab.
Was ist von Vernebelung und UV-Geräten zu halten?
Raumvernebelung erfordert, dass der Bereich geräumt und anschließend belüftet wird, und lässt sich in einem laufenden Büro schlecht kontrollieren. UV-Verfahren wirken nur auf direkt bestrahlte Flächen; alles im Schatten bleibt unbehandelt. Für Büroflächen ist die Wischdesinfektion das Verfahren mit dem nachvollziehbarsten Ergebnis und dem geringsten Aufwand.
Ist der Arbeitgeber verpflichtet, in der Grippesaison desinfizieren zu lassen?
Eine eigene Pflicht zur Grippe-Desinfektion im normalen Büro gibt es nicht. Der Arbeitgeber hat nach § 4 Absatz 2 der Arbeitsstättenverordnung dafür zu sorgen, dass die Arbeitsstätte den hygienischen Erfordernissen entsprechend gereinigt wird; Verunreinigungen, von denen eine Gefährdung ausgeht, sind unverzüglich zu beseitigen. Eine darüber hinausgehende Flächendesinfektion ist im Büro eine freiwillige Maßnahme. In Praxen, Laboren und Pflegeeinrichtungen gelten eigene, strengere Vorgaben. Das ist allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

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